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Berlin, den 18.12.2022, Am vierten Advent liegt eine Woche hinter uns, in der vor allem ein Thema bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Betroffenheit und Sorgen geweckt hat.

Uwe Witt, Mitglied des Deutschen Bundestags, bezieht klar Stellung gegen eine Erhöhung des Renteneintrittsalters und sieht in den Plänen des SPD-Kanzlers einen Akt der sozialen Kälte.

Grundsätzlich ist es so, dass man nach 45 Berufsjahren den Anspruch eines frühzeitigen Rentenbezuges ab 63 Jahren hat. Jedoch wurde dies so modifiziert, dass die Jahrgänge ab 1953 nur noch gestaffelt in Rente gehen können. Bis zum Jahrgang 1964 kommen jeweils zwei Monate, die man länger arbeiten muss, hinzu. Ab dem Jahrgang 1964 kann man nicht vor 65 in Rente gehen, muss also deutlich mehr als 45 Jahre bis zur abschlagsfreien Rente arbeiten.

Jetzt fordert Kanzler Scholz, dass diese Arbeitnehmer, die etwas früher in Rente gehen könnten, bis zu 51 Jahre arbeiten gehen sollen, nämlich bis zur Regelaltersrente bis 67. Grund hierfür sei der Fachkräftemangel, den man so ausgleichen möchte. Ökonomen plädieren zur Stabilisierung des Rentensystems sogar für eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre. Dies würde für Menschen, die früh begonnen haben zu arbeiten, eine Arbeitszeit von bis zu 56 Jahren bedeuten.

Uwe Witt, Mitglied des Deutschen Bundestags, findet diese Forderung des Kanzlers schlicht unverschämt:

Uwe Witt, Mitglied des Deutschen Bundestags, findet diese Forderung des Kanzlers schlicht unverschämt:

Der Gerüstbauer, der z.B. 1960 geboren wurde und mit 16 Jahren bereits angefangen hat zu arbeiten, muss trotz voller 45 Jahre bis 64 Jahre und 4 Monate arbeiten, also über 48 Jahre. Geht er in die Regelaltersrente muss er zwei Jahre länger arbeiten. Alle Jahrgänge ab 1964 müssen bis mindestens 65 Jahren arbeiten.

Olaf Scholz schiebt zwar den Fachkräftemangel vor, aber das eigentliche Problem liegt hier ganz woanders: Die Rentenkasse wird ab 2025 in arge Probleme kommen, wenn die Babyboomer-Generation anfängt in Rente zu gehen. Die Nachhaltigkeitsrücklage der gesetzlichen Rentenversicherung ist jetzt schon derartig gering, dass es in Zukunft regelmäßig dazu führen wird, dass unterjährig besondere Maßnahmen zur Liquiditätssicherung der gesetzlichen Rentenversicherung ergriffen werden müssen.

Um aus diesem Dilemma rauszukommen, da es nicht gelungen ist die Rentenkasse zu stabilisieren, sollen die Bürger nun immer länger arbeiten, auch wenn sie dies körperlich und geistig oft nach einem langen Arbeitsleben nicht mehr können. Anstatt in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen, sollen sie kurz vor der Rente noch einmal umschulen, um einen Beruf mit einem geringeren Belastungsprofil zu ergreifen. Gesundheitsprävention und Reha sollen nicht für einen gesunden und möglichst langen Lebensabend sorgen, sondern die älteren Bürger fit für die Arbeit halten. Eine hohe Erwerbsbeteiligung von Menschen zwischen 60-64 Jahren wird als gelungene Integration in den Arbeitsmarkt gefeiert. Ältere Menschen haben endlich ihren Platz im Arbeitsmarkt gefunden.

Ob diese lieber ihren Lebensabend genießen wollen, nach Jahren der Arbeit, steht hier nicht zur Debatte. Hier wird im Gegensatz zum Bürgergeld nicht gefördert, sondern gefordert. Dies alles weil die letzten Regierungen es versäumt haben, die Rente dem demografischen Wandel anzupassen und entsprechend zu reformieren.

Auch allein aus diesem Grund wird die Hinzuverdienstgrenze bei einem vorgezogenen Rentenbezug angehoben. Dadurch sollen möglichst viele mit hohen Abschlägen in Rente gehen und so lange es ihnen möglich ist die finanzielle Lücke selber mit Arbeit schließen. Die Rentenkasse muss auf Gedeih und Verderb geschont werden, da sie nicht mehr viel hergibt. Diese unausgesprochene Wahrheit hängt über der Regierung und baut sich immer weiter auf. Anstatt jedoch Reformen auf den Weg zu bringen, bedient man sich lieber solcher Vorwände wie dem Fachkräftemangel, um die Arbeitszeiten zu verlängern.

Dass dieser Vorstoß gerade aus der SPD kommt, kann einen kaum noch verwundern, zeigt aber wie unsozial diese Partei geworden ist, die ihre Rentner in den Entlastungspaketen vergisst, den Nachholfaktor wieder einführt und jetzt das Arbeiten bis zur Bahre einführen möchte.

Natürlich will Olaf Scholz das Renteneintrittsalter nicht erhöhen, nein es sollen die Bürger nur immer länger arbeiten, bis sie in eine vorgezogene Altersrente ohne Abzüge gehen können. Aber auch das wird nicht das Ende der Fahnenstange sein.“