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Berlin, den 28. Juli 2022. Laut Experten droht eine „3-D-Inflation“. Drei Faktoren werden als Preistreiber dabei ausgemacht: Deglobalisierung, Demografie und Dekarbonisierung.

Uwe Witt, Mitglied des Deutschen Bundestags, kann diesen Ansatz nicht vollständig nachvollziehen:

„Das erste D, die Deglobalisierung, kann mit einem starken und geeinten Europa durchaus für unsere Wirtschaft ihre Vorteile haben. So ist es zwar den Arbeitgebern nicht möglich, die Prodiktion ohne weiteres ins billige Ausland zu verlegen um die Produkte so günstig zu halten, aber durch eine inländische oder europäische Produktion gibt es deutlich mehr Vorteile, als eine stabile Lieferkette. Der heimische Arbeitsmarkt, der stark durch das Outsourcen in Billiglohnländer gebeutelt wurde, würde wieder gestärkt. Hier muss gerade Deutschland zwar an den Lohnnebenkosten einiges ändern, um wieder attraktiv für Arbeitgeber zu werden, aber bei mehr gut bezahlten Arbeitsplätzen, würde auch die Kaufkraft in Deutschland wieder ansteigen.

Das zweite D, die Demografie, hat natürlich mit ihrem daraus folgenden Fachkräftemangel einen starken Einfluss auf das Preisniveau. Auf der anderen Seite können aber viele Arbeitsschritte mittels Digitalisierung ersetzt werden. So werden künftig gerade im Niedriglohnbereich sehr viele Jobs wegrationalisiert, weil z.B. Lagerarbeiter durch Drohnen ersetzt werden. Zu dem müssen wir unsere doch recht zahlreichen Arbeitslosen und besonders unsere Langzeitarbeitslosen so qualifizieren und fördern, dass diese auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt werden können. Vor allem müssen wir dringend der Akademisierung den Rücken zuwenden und unseren Nachwuchs fit fürs Handwerk und andere Ausbildungsberufe machen. Hierzu muss die Anforderung an den Schulen deutlich steigen. Gerade an Hauptschulen reicht das Bildungsniveau oft nicht für eine Ausbildung aus. Hier haben wir noch deutlich Potential für eigene Fachkräfte.

Das dritte und letzte D, die Dekarbonisierung, also steigende Kosten durch die Energiewende, ist leider ein wirklich großer Teuerungsfaktor. Diesen hat Deutschland sich ohne jegliche Weitsicht in einem puren Aktionismus auferlegt. Dieser Prozess muss dringend entschleunigt werden. Gerade erst hat z.B. die EU die Atomenergie noch als nachhaltig eingestuft und Deutschland schaltet die eigenen Atomkraftwerke mitten in der Energiekrise wohl ab. Hier muss umgedacht werden. Dazu sollte die CO2-Abgabe z.B. vollständig abgeschafft und die Energiesteuer dauerhaft gesenkt oder am besten ebenfalls abgeschafft werden. Ansonsten haben auf Dauer die Industrie und energielastige Unternehmen kaum eine wirtschaftliche Überlebenschance.

Ich denke, dass ein starkes und geeintes Europa mit Deutschland als gleichberechtigtem Einzelmitglied durchaus gut mit einer Deglobalisierung leben kann. Auch bezüglich der Demografie haben wir im eigenen Land ausreichend Potential, welches man nur zu nutzen wissen muss. Bei der Dekarbonisierung bedarf es jedoch einer Notbremse. Hier muss deutlich an der wirtschaftlichen Verträglichkeit der Energiewende gearbeitet werden. Unternehmen und Bürger dürfen nicht aufgrund der Energiewende derart belastet werden.

Ich fordere daher, dass die Ampel und die EU jetzt an den benannten Stellschrauben drehen müssen, um aus der Krise gestärkt hervorzugehen.“